Pflanzenkohle-Projekt in Tansania

In der Region Songwe im Südwesten Tansanias kämpfen viele Kleinbäuer*innen mit den Folgen des Klimawandels: unregelmäßige Regenfälle, Bodendegradation und sinkende Erträge. Im Projekt „Biochar für klimaresiliente Kleinbäuer*innen in Tansania“ arbeiten wir mit 150 Kleinbäuer*innen daran, ihre Böden fruchtbarer und widerstandsfähiger zu machen – mit einer Methode, die nicht nur Erträge steigert, sondern auch langfristig CO₂ im Boden bindet.

Grundlegende Informationen zum Projekt

  • Laufzeit: Ein Jahr (Mai 2025 bis April 2026)
  • Ort: Songwe, Tansania
  • Teilnehmende: 150 tansanische Kaffeebäuer*innen (davon mindestens 30 % Frauen und 15 % Jugendliche)
  • Projektpartner: Solidaridad Tansania
  • Föderung: Das Projekt wird durch die Deutsche Postcode Lotterie mit 30.000 € gefördert.
Landwirt*innen mit brennendem
Metall-Kon-Tiki zur Herstellung von Pflanzenkohle
Zwei Personen mischen frisch hergestellte Pflanzenkohle auf einem trockenen Feld und verteilen die schwarzen Kohlehaufen zwischen organischem Material.
Herstellung und Ausmischung von Pflanzenkohle: Zwei Farmer verteilen die Pflanzenkohle in Haufen zur Weiterverarbeitung

So wirkt Pflanzenkohle – fruchtbarer Boden, saubere Luft

Pflanzenkohle (Biochar) entsteht, wenn organische Erntereste unter Ausschluss von Sauerstoff erhitzt werden. Mit Nährstoffen z.B. aus Kompost oder Tierdung aufgeladen und in den Boden eingebracht, verbessert die Pflanzenkohle dessen Struktur und Wasserhaltevermögen. Die Pflanzenkohle gibt die gespeicherten Nährstoffe kontinuierlich an den Boden – und die Pflanzen – ab (mehr dazu hier). Zudem bindet sie dauerhaft – bis zu 1000 Jahre – Kohlenstoff aus der Atmosphäre und speichert diesen im Boden.

Ziel des Projekts ist es, die Produktivität der Kaffeebäuer*innen, deren Haupteinnahmequelle Kaffee ist und die im Durchschnitt einen Hektar Land bewirtschaften, um bis zu 15 % zu steigern. Durch dieses Projekt sollen jährlich 1-2 Tonnen CO₂ pro Hektar im Boden gespeichert werden. Bei einer Gesamtprojektfläche von 150 Hektar entspricht dies einer jährlichen Speicherung von mindestens 150 tCO₂.

Klimaschutz, der Einkommen generiert

Ziel unseres Pflanzenkohle-Ansatzes ist, dass die gespeicherte CO₂-Menge zertifiziert und in Klimazertifikate umgewandelt wird. Durch den Verkauf dieser Zertifikate sollen die teilnehmenden Bäuer*innen langfristig ein zusätzliches Einkommen von etwa 100 Euro pro Jahr und Familienbetrieb erzielen – ein wichtiger Beitrag zur finanziellen Sicherheit ihrer Familien.

Im Rahmen des Projekts arbeiten wir mit unserem Partner Planboo zusammen. Planboo liefert das digitale MRV-System (dMRV) – ein innovatives Mess-, Berichts- und Überprüfungssystem, das die Pflanzenkohle-Produktion und -Anwendung digital nachverfolgt.

Welchen Einfluss die Verwendung von Pflanzenkohle auf die kleinbäuerliche Produktion haben kann, beschreibt ein Bauer aus der Region Songwe so:

WEITERE PFLANZENKOHLE-PROJEKTE

Solidaridad arbeitet derzeit in mehreren Ländern mit Kleinbäuer*innen und Unternehmer*innen in Pflanzenkohle-Projekten zusammen – konkret in Sambia, Ghana, Tansania, Uganda, Nicaragua, Kolumbien, Mexiko, Honduras, Indonesien und Mozambique.

Diese Projekte sind bewusst als Pilotprojekte konzipiert. In diesem Rahmen verfolgen wir einen iterativen Ansatz: Wir erproben verschiedene Methoden zur Pflanzenkohle-Herstellung, wir sammeln systematisch Daten über die Auswirkungen der Pflanzenkohle auf die Bodenqualität und die Erträge und wir experimentieren mit der Nutzung der Pflanzenkohle. Stets mit dem Ziel vor Augen, die optimale, wirtschaftlich tragfähige und ökologisch nachhaltige Lösung für Kleinbäuer*innen in den jeweiligen regionalen und klimatischen Kontexten zu finden.

Frauen auf einer Kakaoplantage in Ghana sortieren getrocknete Kakaoschotenschalen – Vorbereitung für Pflanzenkohle-Herstellung

Ghana: Pflanzenkohle im Kakaoanbau

Für 800.000 Bäuer*innenfamilien in Ghana ist der Kakaoanbau von zentraler Bedeutung für ihren Lebensunterhalt. Mit der Verschärfung des Klimawandels stehen diese Kakaobäuer*innen jedoch unter enormem Druck. Mit Unterstützung von Tachibana International Ghana Company, Planboo und Solidaridad stellt die Kooperative Asaase Pa Food Systems Limited inzwischen erfolgreich Pflanzenkohle aus Ernteabfällen von Kakaoschoten her.

Bauer auf einer Plantage in Nicaragua, auf der Pflanzenkohle (Biochar) ausgebracht wurde – Teil eines Projekts von Solidaridad zur CO₂-Bindung und Bodengesundheit gemeinsam mit Ritter Sport,

Nicaragua: Erfolgreiches Pilotprojekt mit Ritter Sport

Nach der Bewertung des CO2-Fußabdrucks seiner Lieferkette identifizierte Ritter Sport Ernteabfälle als versteckte Emissionsquelle. Angesichts dieser Tatsache beschloss das Unternehmen, Kleinbäuer*innen dabei zu unterstützen, die Ernteabfälle in Pflanzenkohle umzuwandeln. Erste Ergebnisse dieser Initiative sind so vielversprechend, dass Solidaridad eine Skalierung dieser Arbeit auf ganz Mittelamerika plant.

Eine Gruppe von Menschen in Outdoor-Arbeitskleidung und Hüten nimmt an einer landwirtschaftlichen Schulung im Freien teil, während ein Ausbilder zeigt, wie Pflanzenreste oder Äste für nachhaltige Bodenverbesserung vorbereitet werden.

Sambia: Partnerschaft mit Planboo und Kvuno

In Sambia haben sich Solidaridad Südliches Afrika, Kvuno und Planboo zusammengeschlossen, um die Pflanzenkohle-Technologie für Kleinbäuer*innen zugänglich zu machen. Der Säuregehalt des Bodens und der Mangel an erschwinglichen Düngemitteln haben zu sinkenden Baumwollerträgen bei Kleinbäuer*innen in Sambia geführt. Der Einsatz von Pflanzenkohle stoppt diese Abwärtsspirale und stärkt die wirtschaftlichen Aussichten der Landwirt*innen.

Deutsche Postcode Lotterie Logo

Danke an die Deutsche Postcode Lotterie!

Wir bedanken uns herzlich bei der Deutschen Postcode Lotterie für die Unterstützung dieses Projekts. Möglich machen das die Teilnehmenden der Deutschen Postcode Lotterie, die mit ihrem Loskauf dieses Projekt unterstützen. Danke dafür!