Strategie

Unsere Strategie für den Zeitraum 2026-2030 baut auf dem 55-jährigen Weg unserer Organisation auf: Wir arbeiten an einer Wirtschaft, die für alle funktioniert. Unsere Strategie mit dem Titel “Sustainable supply chains, thriving farmers” spricht aus, was viele wissen: Jeden Tag sind wir in Europa auf Produkte angewiesen, die von Millionen von Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen im Globalen Süden angebaut oder hergestellt werden – egal ob Kaffee, Tee, Schokolade oder Baumwolle und Kleidung. Es ist höchste Zeit, diesen Menschen einen fairen Lohn zu bezahlen und ihre Bemühungen für den Schutz unser aller Lebensgrundlagen entsprechend zu honorieren!

Strategie Solidaridad 2026-2030
Tania und Rubel, Bauern aus Bangladesh, mit frischer Ernte. Symbolbild für kleinbäuerliche Landwirtschaft, Titelbild Strategie Solidaridad

Das langfristige Ziel von Solidaridad ist es, Lieferketten fair und nachhaltig zu machen. Dafür verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Wir arbeiten daran, Veränderungen in folgenden vier Bereichen voranzubringen: Produktion, Dienstleistungen, Wirtschaftssystem und politische Rahmenbedingungen. In diesen Bereichen zielen wir auf:

Unsere Kolleg*innen in Asien, Afrika und Südamerika arbeiten eng mit Kleinbäuer*innen zusammen. Gemeinsam verbessern wir ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen. Dafür bieten wir Schulungen zu guter Landwirtschaft und zu einfachem Farmmanagement an. Ein wichtiger Schwerpunkt ist nachhaltiges Wirtschaften. Wir unterstützen Kleinbäuer*innen dabei, Ressourcen zu schonen und Kreisläufe besser zu nutzen. So können sie langfristig erfolgreich, umweltfreundlich und profitabel produzieren.

Viele Kleinbäuer*innen, besonders Frauen, haben häufig kaum Zugang zu Märkten, Geld oder Wissen. Das erschwert es ihnen, ihre Betriebe weiterzuentwickeln. Solidaridad hilft hier ganz konkret. Wir vermitteln zum Beispiel Kleinkredite gemeinsam mit europäischen Investoren. Außerdem unterstützen wir den Zugang zu gutem Saatgut und anderen wichtigen Betriebsmitteln. So können Kleinbäuer*innen ihre Ernten steigern und die Qualität ihrer Produkte verbessern.

Wir setzen uns dafür ein, dass Konsum nachhaltiger wird. Verbraucher*innen, Unternehmen und öffentliche Stellen sollen bewusster einkaufen. Dafür machen wir sichtbar, welche echten Kosten Umweltzerstörung und Ausbeutung verursachen. Gleichzeitig arbeiten wir mit Unternehmen zusammen und fordern sie auf, Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen mehr Produkte aus nachhaltigen Lieferketten beziehen. Wir arbeiten mit führenden europäischen Unternehmen in gemeinsamen Projekten im Globalen Süden zusammen und setzen uns zudem dafür ein, dass die Standards im jeweiligen Sektor erhöht werden und dadurch die Beschaffung nachhaltiger und transparenter wird.

Politische Rahmenbedingungen bestimmen, wer wirtschaftlich profitiert und wer nicht. Die Stimmen von Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen im Globalen Süden werden dabei oft nicht gehört. Das wollen wir ändern und vertreten daher die Interessen der Kleinbäuer*innen in Gesprächen mit Entscheidungsträger*innen. Wir bringen Produzierende, Unternehmen und weitere Sektor-Akteur*innen zusammen. Wir fördern die Umsetzung entsprechender Nachhaltigkeitsrichtlinien durch Unternehmen und Finanzinstitutionen, wir schreiben Briefe und starten Petitionen, wir veröffentlichen Studien und veranstalten Events, und wir erheben unsere Stimme in den sozialen Medien. So stärken wir Beteiligung und sorgen dafür, dass politische Prozesse fairer werden.

Illustrierte Grafik zu Farmer*innen und Arbeiter*innen

Nachhaltige Lieferketten,
starke Bäuer*innen

Einkommen, Umwelt, Gerechtigkeit

Für uns bei Solidaridad beruhen nachhaltige Lieferketten auf drei eng miteinander verbundenen Säulen: Stabile Einkommen und faire Löhnen, Anreize zum Schutz der Umwelt und soziale Gerechtigkeit. Nachhaltigkeit entsteht dort, wo diese drei Bereiche gemeinsam gestärkt werden – durch Zusammenarbeit, Mitgestaltung und geteilte Verantwortung. Wie wir uns dafür einsetzen: 

Kakaubauer Mawuse Hotor aus Ghana ©Chikis Photography

Wir unterstützen Kleinbäuer*innen dabei, ihre Einkommen zu verbessern und ihren Anbau zu diversifizieren, zum Beispiel durch nachhaltige Anbaumethoden und besseren Zugang zu fairen, regulierten Märkten. Außerdem setzen wir uns für bezahlbare und verlässliche Dienstleistungen ein. Arbeiter*innen stärken wir, indem wir ihre Position verbessern und gemeinsam mit Unternehmen und weiteren Akteur*innen faire Lohnsysteme entlang der Lieferkette etablieren.

Wir setzen uns dafür ein, dass Kleinbäuer*innen für ihre Ökosystemleistungen belohnt werden. Kleinbäuer*innen, die auf kohlenstoffarme und entwaldungsfreie Anbaumethoden wie Agroforstwirtschaft oder Pflanzenkohle setzen, werden von uns nicht nur bei der Anwendung dieser Techniken unterstützt, sondern vor allem auch beim Anschluss an internationale Kohlenstoffmärkte.

Wir stärken Kooperativen, Gewerkschaften und Arbeiter*innenvertretungen, damit sie die Interessen von Kleinbäuer*innen und Arbeiter*innen wirksam vertreten können. So tragen wir zu faireren Regeln, gerechten Arbeitsbedingungen und einer gerechteren Verteilung von Vorteilen entlang der Lieferkette bei. Ein besonderer Fokus liegt auf Geschlechtergerechtigkeit und der Teilhabe von benachteiligten Gruppen, insbesondere Frauen und jungen Menschen.

Drei Männer stehen auf der Bühne und halten einen Scheck i.H.v. 520€ in den Händen.
Diego Edison López erhält einen Scheck
über 520 US-Dollar für seine CO2-Speicherleistung

Klimafinanzierung und Zahlungen für Ökosystemleistungen

Kleinbäuerliche Betriebe brauchen gezielte und schnell verfügbare Klimafinanzierung, um sich an den Klimawandel anzupassen, Risiken zu mindern und widerstandsfähiger zu werden. Zahlungen für Ökosystemleistungen bieten dabei einen wichtigen Anreiz: Sie ermöglichen es Kleinbäuer*innen, in nachhaltige Anbaumethoden zu investieren und gleichzeitig für ihren Beitrag zu gesunden Böden, sauberem Wasser, Biodiversität und Klimaschutz entlohnt zu werden.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass Kleinbäuer*innen Zahlungen erhalten, wenn sie Treibhausgasemissionen reduzieren oder Kohlenstoff im Boden binden. Solche Modelle, etwa über CO₂-Zertifikate, können neue Einkommensquellen erschließen. Damit diese Ansätze jedoch auch für Kleinbäuerinnen funktionieren, braucht es gezielte Anschubfinanzierung. Katalytische Klimafinanzierung überbrückt die Zeit zwischen den notwendigen Investitionen auf dem Betrieb und den späteren Einnahmen aus Zertifikaten oder anderen Umweltleistungen.

Unsere Partnerschaft mit dem ACORN-Programm der Rabobank zeigt, dass dieser Ansatz funktionieren kann. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass CO₂-Märkte und ähnliche Instrumente kritisch diskutiert werden. Ob und in welchem Umfang sie tatsächlich zu höheren Einkommen beitragen, hängt stark vom lokalen Kontext ab. Solidaridad geht daher verantwortungsvoll mit diesen Instrumenten um, setzt auf Transparenz und stellt sicher, dass der Nutzen für die Produzent*innen im Mittelpunkt steht.